Warning: mysqli::mysqli(): Headers and client library minor version mismatch. Headers:50559 Library:100143 in /home/plovdivlit/public_html/werk.php on line 35 Ein bemooster Stein — Kristin Yurukowa PlovdivLit

Kristin Yurukowa in PlovdivLit

 

Ein bemooster Stein  5.00 / 5

Man erzählt, ihn hatten blutrustige unersättliche Bacchantinnen in Stücke zerrissen. Man erzählt, er hatte sich umgebracht, um sich mit Euridicke im Tod zu vereinigen.

Das sind die Gerüchte, die an seinen Ohren vorbeischwirren. Er möchte nichts davon wissen -sie geben ihm einen zu leichten Weg zur Rettung.

Der Tod ist aber für ihn, der in den leeren Räumen der Unsterblichkeit haust, unerreichbar.

Wache vor der unterirdischen Wohnung deiner Vergangenheit zu halten. Bereit, das Ende der Zeit abzuwarten, wenn danach obere und untere Welt eins werden. Das Leben als fremdes Kleid zu betrachten, es jeden Augenblick ausziehen zu können, um aus der Höhle des Seins zu entschlüpfen.

Nur die Melodien zu sammeln, mit ihren Linien zu spielen bis die Grenze aller Spiele überschritten sind, bis du selber dich in eine Abstraktion verwandelst - der Künstler als Kunstwerk. In der verwunschenen Musikwolke versteckt durch Himmel zu treiben, offen für jede Windströmung.

Wenn die Liebe oder die Geliebte in die Finsternis stürzt, muss man aus Melodien eine Strickleiter knüpfen, um sie zwischen Tag und Nacht zu werfen. Über diese Leiter können die Toten ans Tageslicht steigen. Du kannst ihr Führer auf dem Weg zurück sein.

Vorsicht: der Zweifel kann dich stolpern machen.

Ein Blick zurück. Die Bilder zerfallen wie trockene Blumen. Der Verdacht, dass dir nur ein Rauchstrom folgt, ist mörderisch. Dir würde nur ein Fussabdruck auf den Pfad bleiben. Ein Zeichen von Bewegung. Und die Erinnerung daran.

Du - der Herrscher des Grenzgebiets zwischen Leben und Tod. Die Welt quält dich als Vorstellung von einem Körper, den du nicht besitzen darfst.

Du beharrst im Musikspielen. Mit Musik nur kannst du deinen Schatten aus dem Hades freikaufen, ihren Sillhouetten reale Züge geben.

Orpheus fliesst zurück. Zu seinen Erinnerungen. Die Tage gehen vorbei im Marsch der Jahrstausende.

Er wird mit Moos bedeckt. Seine Leier wird von wilden Tieren zerbrochen. Sie heulen gegen die Leier wie gegen den Mond.

Er fährt fort, Musik zu spielen. Auf Birnbaumblätter, auf Tier- und Menschenknochen. In den Höhlengängen, im Labyrinth des Hades.

Wenn Euridike erscheint, findet sie nur Musik. Einen Hauch, der das Rauschen der Wälder pflückt und den die Haut mit Zittern füllt. Und einen Stein, kaum wahrnehmbar unter dem Moos.

 

Rate the work