Anton Baev

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Zurück in Berlin

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Victor Bulgari

Jener, der sich nicht wahrhaft verloren fühlt, verliert sich endgültig, das heißt, er wird sich nie selbst finden … José Ortega y Gasset

Translated by: Ines Sebesta

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inen Versuch war es sicher wert.

Währenddessen redete sich Mesut in Fahrt. „Du musst eine Deutsche heiraten oder was auch immer für eine, Hauptsache, sie hat den rechtlichen Status einer Deutschen.“

„Aber wie leben denn dann all diese Afrikaner hier?“, fragte er, auf dunkelhäutige Frauen mit Kopftuch weisend, die auf dem Mariendorfer Damm entlang gingen.

„Sie heiraten Deutsche oder, wenn es nicht anders geht, einen der Ihren, Hauptsache er ist hier geboren“, erläuterte Mesut.

Er schaute kurz ins Internetcafé auf der gegenüberliegenden Straßenseite und sah seine Post durch, doch es gab nichts Besonderes.

Auf dem Mariendorfer Damm ein Stück weiter unten boten sie Gebrauchtwagen an – für 4000 bis 9000 Euro. Er dachte, er hätte gerade andere Probleme, als ein Auto, und kaufte sichan der U-Bahnstation Ullsteinstraße für 26,20 Euro eine Wochenkarte für das gesamte städtische Nahverkehrsnetz Zone AB.

Er ging weiter den Mariendorfer Damm entlang und machte erst am Ullsteinhaus einen Stopp. Er betrachtete den Kanal unter sich. Das Wasser des Teltowkanals lag wie erstarrt, nur hin und wieder wurde es von einzelnen kleinen Booten belebt, die langsam auf seiner Oberfläche vorüber krochen.

Unvermittelt setzte ein kräftiger Regen ein. Berliner Regen.

Er betrat das Café Lebensart, setzte sich auf der überdachten Terrasse an einen Tisch und bestellte sich einen Espresso.

Er sah zur Uhr am Turm des Ullsteinhauses, ihre Zeiger waren bei der 12 stehen geblieben.

Die älteste Druckerei Berlins hatte schon längst ihren Betrieb eingestellt.

Die Sonne brach sich im hinab stürzenden Wasser.

Er trank seinen Kaffee aus und beschloss, den Besuch beim Arbeitsamt in der Gottlieb-Dunkel-Straße auf morgen zu verschieben.

Die Registrierung beim Einwohneramt genügte für heute.

Er war jetzt in Berlin kein Illegaler mehr. Und auch nicht mehr anonym.


2.


Er erinnerte sich daran, wie er her kam. Es begann in Istanbul.

„Vieles war lange verboten“, hatte seine Freundin Tjurkan zu ihm gesagt, während sie am Ufer des Bosporus Kaffee tranken. „Jetzt legt uns das von Verboten Befreite in Ketten.“

Ihre hellbraunen Augen hatten sich zusammengezogen, als vor ihnen auf dem Istikljal Boulevard Frauen in Burkas vorüber gingen.

„Wenn es dazu kommt, dass ich mich verschleiern muss, geh ich in den Norden“, hörte er sie sagen, während er am Wein, einem klassischen Shiraz, nippte. „Der Persische Golf reicht schon bis Anatolien, die Gemäßigten von der Ägäis werden fliehen müssen.“

„Berlin?“, hatte er unvermittelt eingeworfen.

„Berlin – iok! Auf keinen Fall! Berlin ist schlimmer als Kars und Konya mit seinen Derwischen zusammen“, sagte sie.

„Versteh mich nicht falsch“, setzte Tjurkan nach einer kurzen Pause erneut an, „ich rede von unserem Berlin, dem türkischen.“

Tjurkan bat ihn um eine Zigarette.

„Acht Jahre hab ich keine angerührt,

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