Anton Baev

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Victor Bulgari

Jener, der sich nicht wahrhaft verloren fühlt, verliert sich endgültig, das heißt, er wird sich nie selbst finden … José Ortega y Gasset

Translated by: Ines Sebesta

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romenade entlang, vorbei am Dolmabahçe Palast bis Karaköy. Vor ihnen spannte sich die Galata Brücke über das Wasser und über der Halbinsel wurde der Himmel von den Minaretts der Süleymaniye durchstochen. Ein Stück weiter, hinter der Sultan Ahmed Moschee und der Heiligen Sophia, ragten die Mauern des auf der Landzunge stehenden Topkapı Palastes empor.

Als die Sonne ihren goldenen Anker ins Meer hinab ließ, nahmen sie ein Taxi und fuhren zum Taksim Platz, in den von rechts und links die steilen Gassen mit ihren Hunderten kleinen Restaurants und Cafés mündeten und an dem der Istiklal Boulevard mit seinen Buchhandlungen, den Musikhandlungen, den wuchtigen Gebäuden der ausländischen Vertretungen, den Theatern und Kinos begann. Menschen aus aller Herren Länder füllten den Boulevard der Unabhängigkeit: Deutsche, Russen, Japaner, Engländer, Franzosen dazu Bulgaren, Amerikaner, Spanier, Italiener und Araber, Juden und Hindus, buddhistische Lamas und Katholiken, Orthodoxe und Muslime - Istanbul war die ganze Welt und der Istiklal war ihr Nabel.

Sie bestiegen den Galata Turm und traten hinaus auf die kleine runde Terrasse mit dem Eisengeländer. Der Hafen am Bosporus war voller Schiffe und in der Ferne warteten zig weitere darauf, in die zum Schwarzen Meer führende Meerenge einlaufen zu dürfen. Die Halbinsel strahlte im Glanz der unzähligen Lichter, die sich im Wasser des Goldenen Horns spiegelten. Ein Stück weiter unten flogen auf der sich über den Bosporus spannenden Fatih Brücke Autos hinüber nach Asien und zurück nach Europa, hinüber nach Europa und zurück nach Asien; die Festung Rumeli Hisarı bot für niemanden und vor niemandem mehr Schutz; die wie Frauenbrüste abgerundeten Kuppeln der Heiligen Sophia ruhten gelassen unter den wie Silberpfeile in den Himmel zielenden Minaretts. Sie sahen sich in den dunklen Wäldchen von Ortaköy um, in den zum Hafen führenden Gassen mit den lauernden Prostituierten, im Oval von Tophane und der (ob wohl für immer) geschlossenen Schießscharte, und gingen wieder zurück zu den Bos-porus Brücken, den ewigen Übergängen zwischen dem Orient und dem Okzident, zwischen den Schicksalen und den Menschen, zwischen der Geschichte und den Strapazen, zwischen dem Geschriebenen und dem Gehörtem, zwischen dem Erinnern und dem Vergessen.

Die kleinen Straßen von Istanbul hatten sich in den Rücken der Stadt geschnitten wie die Kerben arabischer Dolche; die Tauben beim Taksim pickten die letzten Krümel der nachmittäglichen Gebäckkringel auf, es roch nach gebackenem Mais und Blumen, nach Fisch und türkischem Rakı, nach Schweiß und Umarmungen, nach Liebesbeschwörungen und Schwüren für die Ewigkeit. Sie kamen sich vor wie die einzigen Bewohner des Untergegangenen Palastes, dieser byzantinischen Zisterne, die jahrhundertelang das Wasser des Imperiums sammelte; am liebsten wären sie für immer dort geblieben, zwischen dem Wasser und den Steinen – wie steinzeitliche Höhlenmenschen.

„Möchtest du, dass wir fort gehen?

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