Die Männer von der Venus, die Frauen vom Mars

Translated by: Dessislava Georgieva

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Sie erreichten die Berghütte im Dunkeln. Das spontane Fest war auch ohne ihre Mitwirkung bereits in die Gänge gekommen, doch sie hofften die Verspätung wieder wettzumachen. DJ Alex moderierte nicht nur die zweistündige Sendung „Verrückte Rhythmen“ auf Radio „Atlanta“, sondern verdiente sich als Discjockey im „Borledo“ noch etwas dazu, also hatte er Parties praktisch im Blut. Vladis Buchhalterseelchen war seit Tagen ganz zerknittert von den Zahlen, die leise aus den verschiedenen Rechnungen und Bilanzen quollen, und nun suchte er Erlösung im Lärm und intensiven Erlebnissen. Deshalb löste Alex’ Idee, am Wochenende die Stadt zu verlassen, aufrichtige Begeisterung in ihm aus. Die Ehefrauen protestierten nicht lange. Mehr noch: Ihr Enthusiasmus ging so weit, dass sie sogar noch zwei Freundinnen einluden, weswegen die Rucksäcke auf den Schultern der Männer noch schwerer wurden vor lauter Speisen. Und Getränken.

Die ersten fünfzig Gramm davon schluckten die beiden am Busbahnhof der kleinen Stadt, bevor sie in den unansehnlichen Minibus umstiegen, der dazu verdammt war, mühsam über die Hügel zu kriechen, um sie in die Berge zu bringen. Die Zweiten widmeten sie dem Dorf: Nicht seiner Kneipe, die allzu traditionell und gewöhnlich war, sondern dem wahrhaften Start der Wanderung. Für die Dritten öffneten sie eine Flasche aus dem Rucksack. Sie hatten den steilsten Abschnitt erklommen und die halbe Strecke lag nun hinter ihrem Rücken. Die Frauen brandmarkten sie anfangs als Alkoholiker, doch es dämmerte bereits, und so willigten sie ein, einen Schluck für den Mut zu trinken. Nur die kleinere der Freundinnen lehnte ab.

„Von einem Menschen, der nicht trinkt, kann man nichts Gutes erwarten“, versuchte DJ Alex zu scherzen, ohne zu ahnen, wie Recht er später haben würde.

„Jeder hat Prinzipien“, entgegnete die kleinere der Freundinnen und das waren wohl alle Wörter, die sie seit Beginn der Exkursion an einem Stück abgefeuert hatte. Als bettelte sie um den Titel „die Prinzipientreue“.

„Meine sind etwas anders“, sagte Vladi und trank noch eine Verschlusskappe, bevor er sie wieder auf die Flasche schraubte und diese im Rucksack verstaute. Weder er noch Alex hatten alkoholische Gewohnheiten, doch hier hatte sie irgendwie der Hafer gestochen. Sie hatten sich am Stadion kennengelernt, als sie darum um die Wette liefen, wer die meisten Runden drehen würde. Seitdem datiert ihre Freundschaft.

„Hör auf, den großen Zampano zu spielen!“, fuhr ihn seine Frau an.

„Tue ich doch gar nicht. Nimm du jetzt den Rucksack!“

„Danke. Werde ich nicht. Jeder hat Prinzipien.“

Niemand empfand das ausgebrochene Gelächter als persönliche Beleidigung. Sie gingen weiter. Die Dunkelheit war aus den Zweigen der hohen Tannen auf den Pfad hinuntergestiegen. Etwa zehn Minuten von der Berghütte entfernt war die Gefahr greifbar, dass sie sich verliefen, denn sie sahen die Hand vor Augen nicht. Plötzlich wurde es auch kalt. Sie packten warme Kleid

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