Die meisten tauchten schon am nächsten Abend dort wieder auf.
Und die meisten zahlten bereitwillig für die Originale der Aufnahmen und seine Versicherung, keine weiteren Kopien zu besitzen.
Es war ein einträgliches Geschäft für Ardian, der Aufwand war minimal.
Er träumte davon, ein eigenes Fotostudio zu eröffnen und irgendwann in Kunstzeitschriften abgedruckt zu werden.
Als er Victor am hinteren Ende der Bar zum ersten Mal sah, hatte der Albaner den Eindruck, er sei einer von der unaufgeregten Sorte.
Er mochte solche Männer, die keine Aggressivität an den Tag legten, um ihr Ziel, auf Biegen und Brechen, zu erreichen. Männer im Schatten, die warten konnten, bis das Gewünschte von selbst zu ihnen kam.
Eine Woche später beschlossen sie, gemeinsam ein Buch herauszugeben: Berliner Geschichten von Victor Bulgari mit Fotografien von Ardian Fesolari.
Victor schrieb zwei Geschichten pro Tag und Ardian suchte seine Sammlung nach den besten Aufnahmen durch. Da sie ihn nicht zufriedenstellten, zog er los durch das nächtliche Berlin, um weitere Bilder zu machen.
Er kehrte in den frühen Morgenstunden zurück, müde und hungrig nach Liebe.
Nach dem Sex weinte er ungehemmt.
Es dauerte zehn Zigarettenlängen, ehe er sich einigermaßen beruhigte, danach schlief er bis zum Mittag.
Am siebenten Tag, Ardian schlief noch, verließ Victor seine Wohnung am Nollendorfplatz.
Die zerrütteten Nerven des Albaners hatten auch an den seinen gerissen und das Projekt des gemeinsamen Buches war immer diffuser geworden. Es kam, wie bei den meisten Dingen, die er anpackte – er startete extrem enthusiastisch und war schon bald darauf tief enttäuscht.
Er ließ sich am Mariendorfer Damm nieder, einer bedeutend ruhigeren Gegend zum Leben.
Hier war er nicht sehr weit entfernt vom Blut spuckenden Albaner, aber auch nicht in dessen unmittelbarer Nähe.
Er machte sich eine Flasche Calle Principal blanc auf und überlegte, wie er bei der Geschichte fortfahren könnte.
Sollte er Ardian retten oder ihn umbringen?
Oder war es besser, ihr Ende offen zu lassen?
Ihn verdross die Sinnlosigkeit seiner bisherigen Existenz.
Doch was hätte er ändern können?
„Nur das Finale“, dachte er, „nur das Finale kann geändert werden.“
„Du, du, immer nur du“, hatte Tjurkan zu ihm gesagt, als sie sich in Wien trennten und er weiter nach Norden zog, nach Berlin. „Du wirst dir den Hals brechen!“
Er wurde vom anhaltenden Klingeln an der Wohnungstür geweckt.
Er dachte, es seien die Verteiler von Werbeflyern, sie hatten den Nachtschwärmer Ardian immer wieder aus seinem vormittäglichen Schlaf gerissen, doch als er aus dem Fenster sah, war vor dem Wohnblock niemand zu sehen.
Er öffnete die Tür und sah sich einem blon
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