„Wohin?“, fragte er zurück.
„Ich weiß nicht.“
„Und ich erst recht nicht.“
„Lass uns einfach aufbrechen.“
Am darauffolgenden Tag tauchte Ataol im Restaurant auf und fragte den Inhaber nach seinen beiden Freunden.
„Sie sind los in Richtung Norden“, sagte Tayfun Dindar.
„Nach Norden?“, vergewisserte sich Ataol.
„Klar, wohin sonst!“
Victor bog nach links in die Ordenmeisterstraße ein.
Mesut hatte ihm erzählt, dort gäbe es die billigste Netto-Filiale, in der er sich für die ganze Woche eindecken könne, und bei Getränke Hoffmann gleich nebenan gäbe es Alkoholisches und Alkoholfreies zu lächerlichen Preisen.
Es dauerte etwa eine halbe Stunde, ehe er sich orientiert hatte.
Als er das Geschäft verließ hatte er ein halbes Kilo Kalbsfleisch für 2,22 Euro, Leberkäse und Hühnerwurst in 200-Gramm-Packungen zu je 99 Cent, ein halbes Kilo Gehacktes für 1,29 Euro, ein ganzes Kilo Hühnerfleisch für 2,49 Euro, 150 Gramm Bratwurst für 77 Cent, ein halbes Kilo rote Paprikaschoten für 88 Cent, einen Kasten Falkenfelser Pilsener (20 x 0,5) für 5,99 Euro, zwölf Flaschen Mineralwasser á 700 ml für 77 Cent, ein Kilo Melone für 49 Cent sowie einen Karton mit sechs Flaschen spanischem Weißwein Calle Principal für 9,99 Euro gekauft. Er reichte der Kassiererin 26 Euro und sie gab ihm 12 Cent heraus.
Er würde eine Woche auskommen, ohne sich um Verpflegung und Getränke kümmern zu müssen. Zurück am Mariendorfer Damm 48 zwinkerte ihm Mesut zu und hob den rechten Daumen.
Die Luft in der Einraumwohnung war abgestanden und er machte das Fenster weit auf. Der Regen hatte den Boulevard gewaschen und die Wagen wirbelten nicht den üblichen Staub auf.
Er legte sich hin und sah zur Decke hoch.
Die weiße Farbe machte ihn schläfrig, doch er kam nicht zur Ruhe.
Er warf sich im Traum hin und her, als er erwachte war schweißgebadet.
Die linke Hand war ihm eingeschlafen und er bewegte sie vorsichtig während er ins Bad ging, um sich frisch zu machen.
Zurück im Zimmer klappte er den Laptop auf, öffnete eine neue Datei und beschriftete sie mit Mariendorfer_Damm_48.
Er hatte keine Ahnung, was dabei herauskommen würde, ob sich überhaupt eine Geschichte ergeben könnte.
Er hatte keine Ahnung, wie sein Leben hier verlaufen würde.
Er wusste, dass er diesen Ort jeden Moment verlassen konnte, wie er bisher schon Dutzende Male andere Städte und Staaten verlassen hatte.
Ohne eine Vorstellung, wohin er gehen soll und wo er Station machen wird.
Ohne eine Vorstellung, für wie lange.
Victor Bulgari.
So unterschrieb er die Geschichten, die er den verschiedenen Medien in unterschiedlichen Sprachen zum Abdruck anbot.
Wenn ihm etwas lag, so waren es Sprachen. Er hatte kein Problem damit, von Französisch auf Italienisch umzuschalten oder von Italienisch auf Spanisch, ganz zu schweigen von Englisch und den Balkansprachen.<
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