Антон Баев

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Victor Bulgari

Jener, der sich nicht wahrhaft verloren fühlt, verliert sich endgültig, das heißt, er wird sich nie selbst finden … José Ortega y Gasset

Превод: Ines Sebesta

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Nun musste er mit dem Deutschen zurechtkommen.

War die neue Herausforderung zu meistern?

Länger als ein Jahr hielt er es an ein und demselben Ort nicht aus.

Er brach auf, ohne vorher ein Datum dafür festgelegt zu haben. Er packte an irgendeinem Tag seine Sachen und ging.

So waren die letzten 17 Jahre seines Lebens verlaufen.

Anfangs hatte er den Status eines Emigranten, danach war es schwieriger geworden, weil man Bulgarien in die Europäische Union aufgenommen hatte und die Rechte der Emigranten nicht mehr für Victor Bulgari galten.

War er ein Europäer?

Er musste bei dem Wort lachen.

Ein Balkanese?

Bullshit!

Ein Bulgare?

Fuck!

Er war einfach VB - Victor Bulgari.

Am Abend stieg er am Westphalweg in die U 6, fuhr über Ullsteinstraße, Kaiserin-Augustus-Straße und Alt-Tempelhof bis zum Ring, stieg dort in die U8 um und fuhr weiter bis Neukölln. Er ging die Karl-Marx-Straße hinab und durchquerte dabei eines der Ghettos von Berlin.

Türkischer Pop dröhnte aus den vorüber schießenden, sich an keinerlei Regeln haltenden Wagen. Bis zum Rathaus Neukölln lief er in einer schweren, nach Lammfleisch duftenden Wolke, durch die arabische Wortfetzen hallten.

Vor dem Schaufenster des Geschäftes Der Prinz der Beschneidungen musste er lächeln; hinter der Scheibe standen Knaben, die aus Tausendundeinernacht entsprungen und fröhlich in die begnadete Zukunft zu starren schienen, die sie nach dem Ritual der Beschneidung erwartete.

Vom Hermannplatz nahm er die U-Bahn und war nach sechs Stationen am Alexanderplatz, dem Zentrum Ostberlins. Er stieg in die U5 um fuhr bis Frankfurter Tor.

Diese Gegend mit ihren zu Restaurants umfunktionierten Bürgersteigen war von jungen Leuten zwischen 18 und 25 beherrscht.

Er atmete tief durch und brach in Richtung Akademie der Künste auf. Danach nahm er an der Warschauer Straße die U1 und stieg an der Station Hallesches Tor in die U6 um. Sechs Haltestellen später war er am Westphalweg.

Zurück am Mariendorfer Damm 48.

Das Mangal hatte inzwischen geschlossen.


3.


Er öffnete die leere Datei Mariendorfer_Damm_48 und schrieb: Am 13. August 2010 kurz nach Mitternacht spuckte Ardian Fesolari Blut auf den Nollendorfplatz.

Er war eine Woche, nachdem er Ardian im Gay Klub am Nollendorfplatz kennen gelernt hatte, von der Eisenacher Straße zu dem Albaner gezogen, zuvor hatte er sich im Einwohneramt des Rathauses Schöneberg angemeldet.

Fesolari war Fotograf, seine Models waren Gays und Lesben. Der Nollendorfplatz war der Ort des alternativen Ego.

Des Ego mit einem ganz großen E.

Als er ihm erzählte, er schreibe verschiedene Geschichten, muss Ardian erkannt haben, dass Victor für ihn zu einer wahren Fundgrube an Inspiration werden könnte, vielleicht sogar für eine ganze Ausstellung.

Ardian verdiente sein Geld, indem er schwule Paare in Bars fotografierte, ihnen folgt

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